Allpax SV 2 Einhängethermostat Review



Eine der beliebtesten Garmethoden in der Spitzengastro ist z.Z. das Sous-Vide-Verfahren.
Streng genommen heißt Sous Vide einfach nur unter Vakkum also ohne Luft, üblicherweise schließt es aber auch das garen im Wasserbad oder Dampf, bei einer genau definierten Temperatur mit ein. Auf diese Weise ist es sehr einfach die Garpunkte von z.B. Fleisch oder Fisch genau zu treffen. Man stellt einfach die Temperatur auf die Gewünschte Kerntemperatur ein, schmeißt den Beutel rein und vergisst ihn. Genaues Timing spielt eher eine untergeordnete Rolle. Wirklich vergessen sollte man es zwar nicht aber 1-2 Stunden länger als geplant sind bei zumindest bei Fleisch kein Problem. Wer wissen will was sonst noch so geht und warum, dem empfehle ich A Practical Guide to Sous Vide Cooking von Douglas Baldwin (gibt's auch auf Deutsch).
Wer jetzt also zu Hause Sous Vide kochen will braucht im Wesentlichen zwei Dinge. Eine Möglichkeit Luft aus den Beuteln zu kriegen und ein Wasserbad mit möglichst konstanter und präzise einstellbarer Temperatur. Auf die Sache mit der Luft in den Beuteln gehe ich vielleicht später nochmal ein, hier soll es aber um ein Gerät gehen, um ein Wasserbad auf Temperatur zu halten. Und zwar den Einhängethermostat SV 2 von ALLPAX.
Abgesehen von irgendwelchen DIY-Geschichten gibt es im Wesentlichen zwei Arten von SV-Bädern. Komplett integrierte, bei den Becken und Heizung ein einziges Gerät sind und eben Einhängethermostate. Hierbei sind Heizelement, Umwälzpumpe und Temperaturregelung in einem seperaten Gerät verpackt, welches in ein beliebiges Behältnis eingehängt werden kann. So kann man sich je nach Bedarf entscheiden ob man lieber klein und Kompakt oder Groß und sperrig haben will. Außerdem sehen Einhängethermostate viel science-fictioniger aus. Ja das ist ein Wort und ja das ist wichtig.
Nun also ins Detail:

Optik/Verarbeitung

Das erste was auffällt wenn man das Ding Auspackt, ist das es nicht so aussieht wie im Webshop. Sei's drum, nah genug. Das kantige Design in Schwarz und Edelstahl lässt das ganze eher nüchtern wirken; es sieht eher nach Laborgerät aus als nach high-tech Küchengadget. Mir gefällt's, aber das ist Geschmackssache. Das Plastik des Gehäuses ist nicht beeindruckend, aber OK. Mann bekommt keinen Auschlag davon.

Handling

Befestigt wird das ganze mit einer Schraube am Wasserbehälter, bei mir ein 1/2 GN aus Polycarbonat. Nettes Detail: der Senkrechte Schenkel der Klemme zum Befestigen lässt sich in der Länge verstellen, das ist praktisch, weil die meisten GN-Behälter an den Seiten eine Falz haben. Mit Pech drückt die Feststellschraube dann genau auf die Fals und man hat keine stabile Verbindung. Der verstellbare Schenkel mindert das Problem. Ein Vorteil der flachen eckigen Form ist hier, dass man relativ wenig Platz im Behälter verliert. Außerdem machen es die geraden Kanten einfacher einen Ausschnitt in den Deckel zu machen. Die Abdeckung des Heizelements ist geschraubt. Sollte man also mal in die Verlegenheit kommen es saubermachen zu müssen braucht man Werkzeug und wahrscheinlich etwas Geschick um alles anschließend wieder zusammen zu Puzzeln. Kein riesen Problem, könnte aber besser gelöst sein.
Nachdem man das Gerät mit dem Schalter an der Rückseite eingeschaltet hat kann man über die Folientastatur die Einstellungen machen. Über jeweils seperate +- und --Taster werden Temperatur und Zeit eingestellt und anschließend über den Startknopf die Regelung gestartet. Der Druckpunkt der Taster ist ein wenig Schwammig geht aber in Ordnung.
Nach dem Start zeigt einem das Display Ist-/Soll- Temperatur sowie die Restzeit. Außerdem signalisieren aufblinkende Icons ob die Heizung und die Pumpe laufen. Der Timer läuft überigens immer mit und zwar von Anfang an, nicht erst wenn die Zieltemperatur erreicht ist. Während die Regelung läuft kann er auch nicht verstellt werden, was ihn für mich ziemlich nutzlos macht; ein normaler Küchentimer ist da deutlich nützlicher. Immerhin ist er standardmäßig auf 24:00h eingestellt so das man ihn nicht jedesmal verstellen muss um zu verhindern das einem zum Falschen Zeitpunkt das Bad abgeschaltet wird. 
Das Display ist gut ablesbar, die Zahlen und Symbole auch für mich als Brillenträger groß genug. 

Funktion

Kommen wir zum wichtigsten. Funktioniert das Ding? Jupp, tut es. Das aufheizen des vollen 1/2 GN-Behälter von  32° auf 60.5° dauerte etwa 13 Minuten das ist ziemlich zügig, allerdings dauerte es dann noch mal etwa 5 Minuten bis der Regelkreis sich eingeschwungen hat. Danach wird die Temperatur dann bis auf 0,2°C gehalten. Mit einem besser isolierten Behälter ist da evtl. noch mehr drin, aber auch so ist das ziemlich gut. Überschwinger also ein Überschreiten der Zieltemperatur tritt dabei übrigens gar nicht auf.

Fazit

Sehr Positiv. Zwar gibt es einige Details die nicht zu Ende gedacht wirken bzw. an denen man erkennen kann das hier ein bestimmter Zielpreis erreicht werden musste, mit denen lässt sich aber allesamt leben. Die Kernfunktion erfüllt der SV 2 sehr gut. Dazu kommt noch ein durchaus erschwinglicher Preis von ca. 280€ inkl. Versand. Dazu noch ein GN-Behälter für ca. 20€ und man hat ein Sous Vide Bad mit dem sich alle SV-Rezepte machen lassen sollten.

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